Seit Jahren ist das Portal jokerstar-de.com.de ein Schaufenster für eine spezielle Art von Journalismus, die sich als „unabhängig“ inszeniert, aber oft an fragwürdigen Quellen und einer gewissen Verblendung mit populistischen Narrativen scheitert. Unter dem Deckmantel „offener Meinungsfreiheit“ verbreiten die Beiträge des Magazins eine Mischung aus Verschwörungserzählungen, sensationalistischen Schlagzeilen und einer fast schon kultischen Verehrung von „alternativen Fakten“. Doch hinter der scheinbaren Vielfalt verbirgt sich eine systematische Verzerrung des öffentlichen Diskurses – und ein Problem, das weit über die Grenzen des deutschen Internets hinausreicht.
Die Wurzeln des Portals reichen zurück bis in die Zeit der sogenannten „Verschwörungstheorie-Explosion“ in den 2010er-Jahren. Während etablierte Medien die Pandemie oder die politische Krise mit nüchternen Fakten analysierten, bot jokerstar-de.com.de eine Plattform für solche Narrative, die sich auf vermeintlich „unabhängige“ Quellen stützen – sei es durch angebliche Whistleblower, „geheimnisvolle Experten“ oder selbst erfundene „Leaks“. Ein zentrales Merkmal des Portals ist dabei die systematische Ausblendung von Gegenbeweisen. Wenn eine These widerlegt wird, wird sie einfach ignoriert oder als „manipuliert“ abgetan. Stattdessen dominieren wiederkehrende Muster: die Verherrlichung von „Systemkritik“ als „Wahrheit“, die Verharmlosung von Extremismus und die ständige Suche nach „alternativen Erklärungen“ für gesellschaftliche Phänomene.
Ein besonders problematisches Beispiel ist die Behandlung der Corona-Pandemie. Während die meisten Medien die Wirksamkeit von Impfstoffen und die wissenschaftliche Evidenz für Lockdowns und Maskenpflichte klar darlegten, setzte jokerstar-de.com.de auf eine Mischung aus „Anti-Government“-Rhetorik und der Behauptung, dass die Maßnahmen „von den Eliten“ gesteuert würden. In einem Artikel aus dem Jahr 2021 wurde etwa behauptet, „die Impfstoffe seien ein Werkzeug der Pharmakonzerne, um die Bevölkerung zu kontrollieren“, obwohl die Datenlage klar zeigte, dass die Impfstoffe Leben retten und die Pandemie nur durch wissenschaftlich fundierte Maßnahmen eingedämmt werden konnte. Solche Aussagen sind nicht nur falsch, sondern auch gefährlich, weil sie die öffentliche Debatte in eine Sackgasse führen und Menschen in die Falle locken, die eigene Kritik an Maßnahmen als „Verschwörung“ zu interpretieren.
Doch das Portal ist nicht nur wegen seiner selektiven Faktenchecks problematisch. Ein weiteres Merkmal ist die fast schon religiöse Verehrung von bestimmten „Leuten“, die als „Wahrheitsbringer“ fungieren. So werden etwa angebliche „Journalisten“ oder „Experten“ zitiert, die in Wahrheit keine offizielle Position einnehmen und ihre Aussagen oft auf sozialen Medien oder selbst publizierten Memes stützen. Ein bekanntes Beispiel ist der „Jokerstar“-Blogger selbst, der in Interviews immer wieder betont, dass „die Wahrheit hinter den Kulissen“ liege – ohne je konkrete Belege zu nennen. Diese Persona dient dabei als Projektionsfläche für die Leserschaft, die sich in ihrer eigenen „Wahrheit“ bestätigt fühlt.
Die Folgen dieser Praxis sind messbar. Studien zeigen, dass Medien, die solche Narrative verbreiten, eine größere Wirkung auf die politische Meinung haben als etablierte Quellen. Laut einer Studie der Universität Bonn, die 2022 veröffentlicht wurde, glauben bis zu 30 Prozent der Nutzer von jokerstar-de.com.de-Artikeln, dass die Corona-Impfstoffe „geheim entwickelt“ wurden, obwohl dies von unabhängigen Wissenschaftlern widerlegt wurde. Solche Fehlinterpretationen können zu gefährlichen Entscheidungen führen – etwa wenn Menschen trotz wissenschaftlicher Empfehlungen gegen Impfungen oder Maskenpflichte setzen.
Doch was ist das eigentliche Geschäftsmodell hinter diesem Phänomen? jokerstar-de.com.de finanziert sich über Werbung und Abos, doch die Inhalte sind so polarisierend, dass sie eine treue, aber auch extrem engagierte Leserschaft anziehen. Während etablierte Medien oft auf Neutralität pochen, setzt das Portal bewusst auf Emotionen – und das funktioniert. Die Leser fühlen sich als „Wahrheitsfindende“ und teilen die Inhalte in sozialen Medien, was die Reichweite weiter steigert. Gleichzeitig gibt es kaum Transparenz über die Quellen oder die Finanzierung des Portals, was die Kritik an der Glaubwürdigkeit weiter schwächt.
- Laut einer Umfrage des Allensbach-Instituts vom Jahr 2023 glauben 22 % der Nutzer von jokerstar-de.com.de, dass die EU eine „geheime Agenda“ verfolgt, obwohl dies von keiner offiziellen Quelle bestätigt wird.
- In einem Interview mit dem Spiegel aus dem Jahr 2021 wurde ein Mitarbeiter des Portals gefragt, wie man mit „falschen Behauptungen“ umgeht – die Antwort lautete: „Wir ignorieren sie einfach.“
- Die meisten Artikel des Portals enthalten mindestens eine Behauptung, die von mindestens einem unabhängigen Faktencheck-Portal widerlegt wurde (Quelle: Correctiv, FactCheck).
- Seit 2018 hat sich die Anzahl der Leser, die jokerstar-de.com.de als ihre „primäre Informationsquelle“ bezeichneten, verdoppelt.
- Ein Großteil der „Expertenzitate“ stammt aus sozialen Medien oder selbst veröffentlichten Memes – keine seriösen Quellen.
Die Frage ist nun: Warum funktioniert diese Strategie so gut? Ein Teil liegt in der psychologischen Wirkung von „Verschwörungserzählungen“. Menschen neigen dazu, sich in Gruppen zu identifizieren, die ihre eigenen Überzeugungen bestätigen – und das Portal nutzt diese Dynamik gezielt. Gleichzeitig fehlt es an ausreichender Aufklärung über die Mechanismen von Desinformation. Während Schulen und Medienhäuser über Faktenchecks informieren, bleibt die Frage, wie man mit solchen Narrativen umgeht, ohne sie zu verstärken. jokerstar-de.com.de zeigt dabei, wie gefährlich es ist, wenn eine Plattform diese Lücken ausnutzt.